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Veranstaltung im WS 2007/08:

 


Klassiker der Medienkulturwissenschaft - Kanon und Kanonisierung

Lektürekurs im Basismodul 1 des Studienfachs Medienkulturwissenschaft
Institut für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft
Fr. 12-14 Uhr 

Unser Wissen über Medien und mediale Inhalte ist, wie alles Wissen, zutiefst von Prozessen der Kanonisierung geprägt. Gerade einführende Darstellungen wählen aus historischen Daten, theoretischen Zugängen und analytischen Verfahren jene aus, denen sie eine besondere Relevanz zusprechen – und schaffen so einen Kanon medienwissenschaftlichen Grundwissens. Dieses wird in anderen Darstellungen wiederholt, der Kanon bleibt etabliert. Die dabei zur Anwendung kommende Messlatte (althebräisch kanon) bleibt jedoch oft im Verborgenen. 
Das Seminar verfolgt dieses ebenso interessante wie schwierige Verhältnis von Inklusion und Exklusion am Beispiel des Mediums Film, mit Seitenblicken auf Literatur, Radio und Computer. Insbesondere seit dem hundertsten Geburtstag des Mediums Film im Jahr 1995, aber auch mit der Vorliebe des Internets für Ranglisten mehren sich in den letzten Jahren Listen vermeintlich kanonischer Filme. Diese Listen unterliegen zugleich aber auch einem Prozess der Ausdifferenzierung: Begann etwa das AFI (American Film Institute) 1998 noch mit einer Wahl der 100 wichtigsten us-amerikanischen Filme, so liegen mittlerweile Kanones zu einzelnen Genres, Filmsongs und Filmzitaten vor. Zugleich verweist das AFI im Jahr 2007 auf die inhärente Historizität einer solchen Kanonisierung, indem es den 1998 erstellten Kanon erneut (und um aktuelle Titel ergänzt) zur Wahl stellt. 

Das Seminar wird sich aber auch damit beschäftigen, was diese Versuche einer Kanonisierung motiviert: Kommerzielle Erwägungen, welche Filmtitel, Stars und Regisseure dem Publikum bekannt sind, bestimmen maßgeblich, was auf DVD herausgebracht wird. Damit ist die Kanonisierung ein Verfahren der Sichtbarmachung, aber auf Kosten anderer, unbekannt bleibender Filme. Kanonisierung ist aber auch ein Prozess, der kulturellen Differenzen unterliegt: Etliche im anglo-amerikanischen und französischen Raum bekannte Regisseure wie Satyajit Ray oder Yasujiro Ozu bleiben hierzulande weitgehend unsichtbar. Mit all diesen Aporien der Kanonisierung wird sich das Seminar auseinander setzen.

Unabdingbar ist die Teilnahme am Filmtermin (Fr. ab 9  Uhr). Verpflichtend ist die Anmeldung in der Bibliothek. Um einen Leistungsschein erwerben zu können, müssen Sie ein Referat oder eine schrift-liche Ausarbeitung (6-8 Seiten) übernehmen. Sie können Referats- und Ausarbeitungsthemen schon in den Semesterferien per Email (gereon.blaseio@uni-koeln.de) absprechen, dann erhalten Sie weitere Literaturhinweise. 
Nur für Studierende des Bachelorstudiengangs Medienwissenschaft.
Teilnahmevoraussetzung: keine

Beispiele für Filmkanones:
- Alfred Holighaus (Hg.): Der Filmkanon. 35 Filme, die Sie kennen müssen Berlin: Bertz + Fischer Verlag 2005.
- Internet Movie Database: Top 250 movies as voted by our users. Online unter: http://www.imdb.com/chart/top.
- Leonard Maltin: 100 must-see Films of the 20th Century. Online unter: http://www.filmsite.org/maltin.html.
- Schneider, Stephen Jay: 1001 movies you must see before you die. 2nd Edition. New York: Barron’s Educational Series 2005.


Zur Anmeldung besuchen Sie bitte auch meine universitäre Homepage innerhalb des UK-Online-Systems der Universität zu Köln.


Gereon Blaseio

Letzte Änderung: 12.07.2007